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Der tropische Norden Queenslands

NT, QLD

Ozeanien 2016-2018

Auf dem Savannah Way überqueren wir die Grenze nach Queensland und erreichen somit den gleichen Staat, in dem wir unsere Australienreise vor knapp einem Jahr starteten. Noch so vieles gibt es zu entdecken, doch langsam scheint uns die Zeit davon zu rennen. Wir haben viele Australier getroffen, die ihr ganzes Leben lang ausschließlich das eigene Heimatland bereisen, ohne jemals im Ausland gewesen zu sein, und selbst sie haben noch nicht alles gesehen. Was sind gegen ein ganzes Leben schon ein oder auch zwei Jahre?

Längst haben wir entschieden, unseren Aufenthalt in Australien zu verlängern. Sobald wir an der Ostküste ankommen, werden wir uns um ein neues Visum bemühen, aber erstmal liegt ein weiterer Nationalpark auf dem Savannah Way, welcher durch einen kleinen Umweg zu erreichen ist, als alternative Route gekennzeichnet.

Nach der gerade verlaufenden und tristen Hauptpiste entpuppt sich die Abzweigung als eine abwechslungsreiche Safaristrecke. Sie windet sich durch üppiges Buschland und weite Steppenfelder, führt an Farmland und Flüssen vorbei. Dabei begegnen uns viele Tiere wie Kängurus, Büffel, Pferde und viele interessante Vögel.

Boodjamulla Nationalpark

Nach dem staubtrockenen Landstrich im australischen Norden betreten wir die Oase des Boodjamulla Nationalparks. Im Herzen des Gebiets schimmert in beinahe unwirklichen Türkisfarben der Lawn Hill Creek, welcher ganzjährig Wasser führt. Über Jahrtausende hat sich der Fluss durch den roten Sandstein gegraben und so eine tiefe Schlucht gebildet. Rundum macht sich eine üppige Vegetation aus tropischen Pflanzen und Palmen breit. Es ist wirklich paradiesisch.

Inmitten dieser ursprünglichen Landschaft fühlen wir uns auf Anhieb wohl und beschließen hier für den Rest der Woche zu bleiben. Unsere Pause hat aber noch einen anderen Grund: Wir sind ganz schön ausgelaugt. Seit einiger Zeit versuchen wir die vielen Kilometer zu bewältigten und kommen beinahe nicht dazu, die Orte, an denen wir vorbei fahren, richtig auszukosten. Beim Boodjamulla wollen wir es anders angehen und die Gegend genauer erkunden – auch wenn wir dafür wohlmöglich etwas anderes verpassen.

So machen wir beinahe alle Wanderungen mit, sowohl zu den Aussichtspunkten als auch zu den wunderschönen Indarri Wasserfällen, wo wir endlich mal wieder schwimmen dürfen (nur Süßwasser-Krokodile). Am Abend genießen wir stets das gleiche Schauspiel, tausende Flughunde ziehen in der Abenddämmerung auf Futtersuche los und färben den Himmel für lange Zeit schwarz. Der Boodjamulla (oder auch Lawn Hill) Nationalpark bleibt uns als ein zauberhafter, gar verzauberter Ort in Erinnerung.

Townsville

Nach dutzenden Stunden, die wir auf grober Wellblechpiste verbringen, entscheiden wir uns für einen Abstecher über den asphaltierten Overlanders Way, um unser nächstes Ziel Townsville schnellstmöglich zu erreichen. Dort wartet bereits der nächste House Sit auf uns.

Obwohl Townsville die zweitgrößte Stadt in Queensland ist, kommt sie uns vor, wie ein etwas zu groß geratenes Dorf. Die Straßen sind verschlafen, auch auf der beliebten Uferpromenade „The Strand“ geht es eher ruhig zu. Von dem zentral gelegenen Hügel, dem Castel Hill, genießen wir die beeindruckende Aussicht auf die Küstenlinie, sowie die gegenüber liegende Insel Magnethic Island.

Dann treffen wir Kathy und Bruce, die fünf Wochen lang durch Europa reisen werden, während wir auf ihr Haus und die Hündin Miley aufpassen (Es ist eine echt tolle Sache, dieses House Sitting!). In das Haus von den Beiden verlieben wir uns auf der Stelle: ein original Queenslander, fast so alt, wie die Stadt selbst, nämlich 130 Jahre. Das großzügige Grundstück ist umgeben von einem liebevoll angelegten Garten, mittendrin stehen uralte schattenspendende Mangobäumen wie Wachposten. So leben also Australier.

Da wir viel Arbeit zu erledigen haben (unter anderem Visum-Anträge) freuen wir uns über diese Auszeit. Es hat doch auch etwas schönes, lange an einem Ort zu bleiben, Routinen zu entwickeln und Bequemlichkeiten, wie eine heiße Dusche, stets verfügbare Toilette und sogar einen Pool zu haben. Ellens Geburtstag verbringen wir im Reef HQ, dem weltweit größten Korallenriff-Aquarium. Die Zeit vergeht wie im Flug.

Magnetic Island

Als Kathy und Bruce von ihrer Reise zurückkommen, laden Sie uns ein, noch etwas länger bei ihnen zu bleiben. Von der australischen Gastfreundschaft sind wir immer wieder überwältigt, und auch dieses mal fühlen wir uns sofort als ein Teil der Familie. Das Angebot, einen kleinen Urlaub auf Magnethic Island einzulegen, wo sie ein Ferienhaus besitzen, nehmen wir dankend an. Wir dürfen sogar den Pickup benutzen, welcher dort bereits parkt, um die Insel zu erkunden.

So finden wir uns plötzlich mit leichtem Gepäck auf der kleinen Fähre wieder, die uns zu einer tropischen Paradiesinsel bringt. Anscheinend haben bei der Entdeckung der Insel durch James Cook die Instrumente verrückt gespielt, was zur Namensgebung führte. Wir denken jedoch, es lag weniger am Magnetismus, sondern an dem absoluten Zeitverlust, der sich alsbald einstellt, wenn man das Ufer betritt.

In der Tat ist Magnethic Island traumhaft, die entspannte Atmosphäre erinnert uns irgendwie an Asien. Die nächsten Tage verbringen wir damit, die schönsten Strände zu erkunden, im warmen Ozean zu baden und uns einen anständigen Sonnenbrand zu holen, so wie es sich für einen echten Urlaub eben gehört.

In den Tropen von Cairns

Dann verabschieden wir uns von Kathy und Bruce und fahren in Richtung Norden, nach Cairns. Lediglich 350 km weiter ändert sich die Landschaft schlagartig, denn es wird auf einmal tropisch. Den Übergang von dem trockenen Buschland zum Regenwald bekommen wir fast gar nicht mit. Die Luftfeuchtigkeit, der Dschungel, die Artenvielfallt – nicht zum ersten Mal fühlen wir uns, als hätten wir die Grenze zu einem anderen Land überschritten und sind doch noch immer hier, in Australien.

Da wir noch ein paar Restaufgaben am Computer zu erledigen haben, organisieren wir uns auch in Cairns einen kurzen House Sit. Es regnet ohnehin in Strömen, so sind wir froh in dieser Zeit ein richtiges Dach über dem Kopf zu haben. Hier feiern wir auch den Geburtstag von Jonas und nutzen den Feiertag für einen kurzen Ausflug zu den Baron Wasserfällen in Kuranda. Denn noch sind wir frohen Mutes…

Kurz darauf erhalten wir schlechte Nachrichten: unser Visum-Antrag wurde abgelehnt. Die Ablehnung bedeutet nicht nur einen herben Geldverlust (700 AUD), sondern wirft uns auch gleichzeitig in die absolute Ungewissheit, was unsere Reisepläne betrifft. Wir sind ziemlich niedergeschlagen. Immerhin haben wir in weiser Voraussicht einen Flug nach Deutschland gebucht – ein Heimatbesuch ist ohnehin schon längst überfällig gewesen. Wir freuen uns Familie und Freunde bald wieder zu sehen, auch wenn wir uns dafür etwas andere Umstände gewünscht hätten.

Die Pechsträhne geht weiter

Cairns hat uns also kein Glück gebracht, deswegen verlassen wir zügig die tropische Hitze, um unsere Gemüter in den Bergen abzukühlen. Im Hinterland von Cairns hat die Gebirgskette Great Deviding Range ein Plateau gebildet, die Tablelands genannt. Steil geht es von Null auf über 1000 Höhenmeter hinauf, die sich eng den Berg hoch windende Straße verlangt unserem Gefährt so einiges ab.

Wäre es das erste Mal, dass wir solche Strecken befahren, würde uns vermutlich nichts eigenartiges auffallen. Doch schon oft hat die Rakete Serpentinen erklommen und sich dabei deutlich besser angestellt. Es kreischt aus der Getriebe-Gegend, ein Singen ist zu hören, dann ein Keuchen, bis sich der Landy wie ein ausrangierter Linienbus anhört. Wir sind besorgt, doch können nirgends anhalten, müssen die ganze Strecke bis zum Ende fahren. Was hat er nur plötzlich?

Radlager, Getriebe, ein kaputtes Differential, es kann vieles sein – bis wir rausfinden was der Dicke hat, müssen wir wohl auf größere Touren verzichten. In Kairi treffen wir uns mit Reni und Marcel, zwei Schweizer Nomaden, die wir vor nicht mehr als drei Monaten in Darwin kennen gelernt haben. Sie empfehlen uns ein paar kleinere Touren in den Tablelands, die ohne größere Distanzen zu bewältigen sind.

Eine Runde durch die Tablelands

Und so verabschieden wir uns am nächsten Tag von den Swiss Nomads und fahren erstmal eine kleine Runde um den Tinaroo See, wo wir unter anderem die Gelegenheit bekommen, riesige Feigenbäume anzuschauen. Wäre ja auch langweilig nur eine Mission hier oben zu haben! Abgesehen von den vielen Sehenswürdigkeiten werden wir nun das Verhalten des Defenders studieren, um eine konkrete Diagnose stellen zu können.

Jonas checkt einige Dinge: Radlager scheinen in Ordnung, ins Getriebe kann man dagegen nicht so einfach rein schauen, ohne Öl abzulassen. Jedenfalls verschlechtern sich die Geräusche deutlich ab 60 km/h, was wir bei der Rundfahrt zum Hypipamee Kratersee und den Milla Milla Wasserfällen rausfinden. Immerhin werden wir vom ständigen Grübeln über das Autoproblem abgelenkt.

Ansonsten fährt der Dicke eigentlich prima – solange wir fahren können, fahren wir. Und was macht man, um die Geräusche bei hoher Geschwindigkeit zu reduzieren? Richtig, Offroad fahren! Auf der Karte suchen wir uns eine abgelegene Piste aus, die uns durch einen Nationalpark führt, wobei wir gar nicht mehr so genau wissen, welcher es war und wie wir dahin gekommen sind. Nur der Nagel im Reifen, der hätte hier nicht auch noch sein müssen. Es ist nicht der erste und wir sind gut gerüstet um unsere Reifen ein weiteres Mal zu stopfen.

Für die Übernachtung finden wir eine schöne wilde Campingstelle am Fluss, in dem man wegen Salzwasserkrokodilen nicht schwimmen darf. Offenbar sind wir somit den halben Weg zur Küste runter gefahren. Am nächsten Tag bewältigen wir auch noch die andere Hälfte des Abstiegs problemlos. Unten angekommen müssen wir dennoch erleichtert aufatmen – es hätte auch schief gehen können. Die Piste war schon sehr einsam, was wir hier, so nah an der Ostküste, überhaupt nicht erwartet hätten.

Strandleben mit Getriebeschaden

Dann holen wir Reni und Marcel in der Gegend von Mission Beach wieder ein. Sie entspannen sich dort bei einem House Sit, wir dagegen finden einen schönen und abgelegenen Campingplatz an der Bingil Bay – dort, wo der Regenwald den Strand küsst, so sagt man. Und in der Tat campen wir umschlossen vom Dschungel direkt am sandigen Ufer der verschlafenen Bucht. Definitiv ein guter Ort zum Bleiben.

Eigentlich wollten wir ursprünglich einen Offroad-Trip bis zum nördlichsten Zipfel von Australien machen, zum Cape York. Da die meisten Einheimischen uns wegen der nahenden Regenzeit davon abgeraten haben – es wäre gut möglich, dass wir bis zum Cape York kommen, aber nicht mehr zurück, so die Aussies – wollten wir es zumindest bis nach Cooktown schaffen. Doch nun, mit dem ungeklärten Autoproblem, wissen wir nicht, ob wir überhaupt fahren sollten.

Wir besorgen Achs- und Schaltgetriebe-Öle, um diese zu tauschen und dabei wohlmöglich einen Schaden feststellen zu können. Als erstes soll das Verteilergetriebe-Öl raus. Doch als die Ablassschraube gelöst wird, sifft lediglich eine Pfütze raus (anstatt 2 Liter!). Da haben wir also unser Problem: Das Schaltgetriebe ist trocken gelaufen. Wie konnte es nur passieren? Ein unentdecktes Leck? Und wie lange leben wir schon damit? Es war noch mindestens ein Jahr bis zum nächsten geplanten Ölwechsel.

Obwohl das Getriebe nun neues Öl bekommen hat, können wir so nirgendwohin fahren, zumindest keine langen Distanzen. Wir wollen die Zahnräder, die ohne Öl zu heiß gelaufen sein müssen, nicht zu sehr belasten. Aber warum sollten wir auch weg, wenn es hier doch so traumhaft schön ist? In den letzten zwei Wochen vor unserem Abflug genießen wir in vollen Zügen das Strandleben, spielen Backgammon und verbringen einige gesellige Abende mit Reni und Marcel. Es hätte schlimmer kommen können, würden wir meinen.

Mates of mates, mates for mates

In der Australischen Mentalität hat sich der Begriff „Mates of Mates“ fest etabliert. Freunde von Freunden sind Freunde, auch wenn sie einem selbst völlig unbekannt sind. Wir haben die Ehre, diese Tradition am eigenen Leib zu erfahren. Denn Kathy und Bruce aus Townsville wollten uns unbedingt bei der Suche nach einem Autostellplatz helfen und empfehlen uns deswegen an ihre Freunde in Cairns. Und in Australien ist eine persönliche Empfehlung mehr Wert als tausend Zeugnisse.

Wieder in Cairns, empfangen uns Marc und Lynn mit offenen Armen: „Bruce hat mir gesagt, ihr seid feine Leute, und ich vertraue der Aussage meines Freundes uneingeschränkt! Fühlt euch wie Zuhause.“ Ist es nicht abgefahren? Sie lassen uns, völlig Fremde, einfach so in ihr Leben und bieten uns Hilfe an, als gehörten wir zur Familie. Diesen Grundsatz nehmen wir definitiv aus Australien mit. So schön kann die Welt sein!

Die Rakete wird bei Mark und Lynn während unserer zweimonatigen Abwesenheit vor dem Haus parken. An unserem letzten Tag in Australien campen wir bei den beiden auf dem riesigen, teils verwilderten Grundstück, umgeben von dutzenden Wallabies, während wir unsere sieben (oder mehr) Sachen packen und den Defender zum Abstellen vorbereiten. Welch wundervolle und authentische letzten Augenblicke auf diesem spannenden Kontinent!

Abschied auf Zeit

Nun müssen wir uns wirklich verabschieden – von Australien, von den liebenswürdigen Menschen, die uns wie alte Freunde aufgenommen haben, von unserem Zuhause auf Rädern. Es ist ein Moment, an dem wir überhaupt nicht wissen, wie es weiter geht. Werden wir ein neues Visum für Australien bekommen? Wo und wie können wir unseren Defender reparieren? Was machen wir, wenn etwas davon nicht klappt? Wir trauen uns nicht einmal eine Route zu überlegen, für den vermutlich unwahrscheinlichen Fall, dass alles doch nach Plan laufen sollte.

Etwas verloren steigen wir in den Flieger. Aber wisst ihr was? Wir haben nicht wirklich Angst vor dem Unbekannten. An den Plänen fest hängen, enttäuscht sein, sobald etwas nicht so läuft, wie man es sich vorstellt – diese Gedanken-Konstrukte haben wir spätestens in Asien aufgeben müssen. Denn egal, wie es am Ende ausgeht, wir werden aus jeder Situation das Beste machen und es wird gut werden. Darauf vertrauen wir!